Renovierung der Infobox Mai / Juni 2011

Insgesamt ca. 3 Tonnen Exponate und Hilfsmittel zum Auf- und Abbau für die Wanderausstellung füllen einen LKW.

Die Infobox überwinterte 2010/2011 auf dem Frei-Gelände der Fa. LEX Containerdienste GmbH in Berlin. Nachdem die BAUnatour 2011 mit Saarbrücken am 07. Juni starten sollte, war die Zeit für die Renovierung des Ausstellungscontainers und der Transportkomponenten denkbar knapp. Nach umfassender Begutachtung der Box und der Hydraulikanlagen ließen sich drei Hauptaufgaben festmachen, um die Info-Box so zu überarbeiten, dass daraus wieder eine repräsentationsfähige Ausstellung zum Thema "Bauen und Wohnen mit nachwachsenden Rohstoffen" wird.

1. Überarbeitung der Hydraulik-Anlagen

Der Austausch der Stahlträger zur Aufnahme der vier Hydraulikstempel war Schwerstarbeit.

Das Öffnen und Schließen der Weidenkorbfront geschieht mit einer Handpumpen-Hydraulik-Anlage. An dieser Doppelhandpumpe wurden Dichtungen ausgetauscht, der vorher sehr sperrige Hebelwechsel am Bedienbügel wurde vereinfacht. Die feststehende Hebeleinheit musste so gestaltet werden, dass damit beide Pumpen sowohl synchron als auch einzeln bedient werden können. Zudem sollten beide Bügel einfach und schnell während des Pumpvorgangs miteinander verbunden werden. Dies ist notwendig, da beim Öffnen und Schließen der Box ein synchrones Pumpen beider Seiten häufig nicht möglich ist, da einem Verkanten beim Auf- bzw. Zufahren der Box durch Pumpeneinsatz entgegengesteuert werden muss. Ebenso mussten die Bedienbügel mit einer stabileren Führung versehen werden.

Ausbesserungsarbeiten direkt an der Box.

Ebenso unabhängig vom Zustand des Ausstellungscontainers und der Exponate bedurfte die Hydraulik-Anlage zum Heben und Senken der Box einer umfassenden Überarbeitung. Zunächst wurden die Stahlträger zur Aufnahme der Stempel ausgetauscht. Die Aufnahmeöffnungen waren durch die Hebe- und Senkvorgänge der zwei Jahre vorher ausgeleiert. Erst beim Austausch stellten die Monteure fest, dass die jeweils acht Bolzen, die einen Stahlträger mit der Box verbinden, bei keinem der Träger mehr vollzählig waren, bei einem fehlten mehr als die Hälfte.

Ein Stempel hebt mehr als vier Tonnen. Daher muss dessen technisch einwandfreie Funktion gewährleistet sein.

Ebenso litten die Hubsäulen unter Verschleiß: So musste an den vier Hydrauliksäulen der Zustand der Gleitplatten überprüft werden, Transportrollen wurden ausgetauscht und größer dimensioniert. Die Anbringung von montierbaren Handgriffen ermöglicht nun ein gefahrloses Be- und Entladen sowie ein ergonomisches Bewegen der Hubsäulen an den Standorten. Bei knapp 180 Kg pro Hubsäule steht die Sicherheit und die körperliche Unversehrtheit des Auf- und Abbauteams im Vordergrund. Ebenso aus Gründen der Sicherheit wurde die Steuerung der Hydraulik an ein Kabel angeschlossen, das es dem Hydraulik-Führer ermöglicht, die Fortschritte jedes einzelnen Hebe- und Senkvorgangs an den Säulen selbst zu überprüfen. So ist dieser nicht auf evtl. missverständliche Zurufe seiner Kollegen angewiesen. Denn bei einem Containergewicht von ca. 16 Tonnen kann ein falsches Kommando für Mensch und Material verheerende Folgen haben.

Bau und technische Überarbeitung der Hydraulikanlagen: Fa. Tyroller Huydraulik, Herzberg

2. Renovierung und Innenausbau

Gefühl fürs Material ist gefordert: Marco Lanfranco beim Aufspachteln des Naturöls.

Aufgrund der knappen zeitlichen Ressourcen entschied man sich, die Ausstellung konzeptionell nicht zu verändern. Dennoch wurden im Innenausbau einige Verbesserungen im Hinblick auf effiziente Raumausnutzung und auf Transportsicherheit umgesetzt. Dies betraf vor allem das Info-Materiallager und die davor liegenden Schiebetüren. Ebenso musste der Fußboden renoviert und überarbeitet werden, da das Weichholz durch die zeitweise hohe Beanspruchung durch Besucher sehr mitgenommen schien. Hier war ein weiteres Abschleifen der Dreischicht-Dielen nicht mehr sinnvoll und so drehte man die Dielen des Fußbodens kurzerhand um und bereitete sie für das Ölen und Wachsen mit zwei Schleifgängen vor.

Daran anschließend wurde ein völlig neuartiges Verfahren zum Schutz und zur Gestaltung von Holzoberflächen in der Infobox umgesetzt. Der Fussboden- und Holztechniker Marco Lanfranco hat im Zuge seiner 10-jährigen beruflichen Tätigkeit ein Verfahren entwickelt, mit dem es möglich ist, Holzoberflächen auf besondere Art und Weise zu schützen...

Fußbodenrenovierung nach dem Motto: "Marco brennt!"

Mittels eines speziellen Einbrennverfahrens werden natürliche Öle in die fein geschliffene Holzoberfläche eingebrannt. Durch die hohe Einbrenn-Temperatur mit mehr als 800°C öffnen sich die Poren des Holzes und das Öl dringt tief in das Holz ein. Mit der Erkaltung schließen sich die mit Öl gesättigten Poren des Holzes wieder und halten das Öl fest.

Bemerkenswert dabei ist, dass dieses Verfahren offenbar nur mit einigen wenigen, nach ökologischen Kriterien, hergestellten Naturölen umsetzbar ist. Denn Tests ergaben, dass synthetische Bestandteile in nur vermeintlich natürlichen Holzölen bei diesen hohen Tempepraturen "verbrennen" und dunkel bzw. schwarz werden. Die "reinen" natürlichen Ölen hingegegen verfärben beim Einbrennen im Unterschied zum herkömmlichne Auftragen nicht.

Im Ergebnis entsteht eine ästhetische, geölte Holzoberfläche, die gleichzeitig hoch belastbar und diffusionsoffen ist.

3. Überarbeiten / Einbau der Exponate und Ausstellungskomponenten

Das Alles und noch viel mehr... musste rein in die Box!

Das BAUnatour-Team 2011/2012 fand bei der Übergabe am 01.06.2011 eine komplett leere Info-Box vor, denn einige der Ausstellungskomponenten sollten vorsorglich der winterlichen Kälte des Außenlagers entzogen werden. Andere Exponate waren nach zwei Jahren BAUnatour arg ramponiert und mussten ausgetauscht. Auch musste die Ausstellung um einige Exponate erweitert werden.

Um mit der Ausstellung möglichst zeitnah (Tourstart sollte bereits eine knappe Woche später in Saarbrücken sein!) zu repräsentationsfähigen Ergebnissen zu kommen, schien es den Organisatoren sinnvoll, diese Arbeiten in den verbleibenden vier Tagen mit einem Messebauteam direkt vor Ort in Berlin durchzuführen und die Infobox dann direkt von dort nach Saarbrücken zu verfrachten.

Bei tlw. 16-stündigen Arbeitstagen, darf man auch mal in die Knie gehen: Messebauprofi Sebastian Grein

Der enorme Zeitdruck zwang stellenweise nicht nur den BAUnatour-erfahrenen Ausstellungstechniker Sebastian Grein (Foto) in die Knie, sondern war stellenweise ein echter Belastungstest für das gesamte BAUnatour-Team. Nach vier Arbeitstagen Ein- und Aufbau, die teilweise erst weit nach Mitternacht endeten, konnte die Ausstellung schließlich punktgenau am 07.06. um 13 Uhr an der Europagalerie in Saarbrücken eröffnet werden.

Die BAUnatour-Organisatoren, Robert Schuh und Michael Lohr, möchten sich an dieser Stelle besonders beim Renovierungsteam bedanken, das diese "heiße Phase" mitgetragen und damit den pünktlichen Tourstart erst ermöglicht hat!

Danke ans BAUnatour-Messebau-Team, namentlich an

  • Jan Ulrich
  • Sebastian Grein
  • Marco Lanfranco
  • Mario Schlegel
  • Matthias Schmitt und 
  • Herrn Wolf von der LEX-Container GmbH
Wanderausstellung BAUnatour 2011-2012

 

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